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Abschluss AP Møller Skolen

Die letzten Schuljahre | A.P. Møller Skolen | Komplimente & Kerle

03:04Nicky Kerosene


© Lizenz BILD-BY | Uploader "Taschenkrebs" auf Wikipedia/Wikimedia

Ich sitze hier - am Dienstag um 02:42 Uhr - am PC und habe kleine Krokodilstränchen inne Äugleins. Ich musste gerade an die letzten Jahre, insbesondere aber das letzte Jahr an meinen Schulen denken und wie fantastisch und schön die Zeit eigentlich war, abgesehen von naja... dem 1. bis ca. 6. Schuljahr. Alle Abschnitte haben Überschriften, damit Du direkt zu den schmutzigen Details kommst, wenn Du willst. ;)

Die Anfänge
Damals war ich eine Bi-Homo-Transe, denn da ich nicht genau wusste, was ich will, habe ich umhergewechselt, bis ich zum letzten Schritt als Transsexuell von mir selbst geoutet wurde. Ein tierisch schwieriger Schritt, wenn man bedenkt, dass ich im letzten Jahr als Jugendliche auf einer Schule voller Testosteron-gehäufter Kerle war, die liebend gerne Menschen wie mir eins inne Fresse kloppen. Aber noch viel früher war ich einfach nur "Nico", fett - mit 75-80kg auf den Rippen bei einer Größe von ca. 1,45m-1,50m. Ich war ein Mammut. Kein Witz. Aber dank Disziplin, naja der Verweigerung von Nahrung jeglicher Art - also dem richtig ungesunden Weg - habe ich meine Kilos verloren. Der Anfang erklärt, weiter im Text nach Zeitordnung.

Sarah und Kjell
Sarah war nicht nur eine meiner besten Freundinnen, sondern war auch mit mir zusammen. Arme Sarah. Naja. Irgendwann kamen wir beide zum Schluss, dass ich anders bin, haben uns "getrennt" (Gott, damals war ich klein, hört sich das scheiße an) und Sarah verliebte sich neu. In einen Mann, in den ich mich auch verliebt hatte. Supi dolle Nummer. Aber egal: Die beiden waren zusammen, er war tabu. Aber da Sarah wusste, dass ich ihren Mann gerne hätte, hat Sie mich damit natürlich aufgezogen - durfte Sie auch, denn böse sein konnte ich ihr nicht und ich hab mich ja auch mit beiden gut verstanden. Ich erinnere mich noch an das Sommerfest im vorletzten oder letzten Jahr auf der Ejderskolen. Sarah brachte Kjell mit zur Schule und Ach Gottchen, blieb mir das Herz im Halse stecken. Hat Sie natürlich ausgenutzt. Ende des Lied war aber einfach ein richtig witziger Abend, in dem ich andauernd rot angelaufen bin. Bis heute habe ich glaube ich, naja ich weiß es ja, ansonsten würde ich es nicht schreiben, zumindest ein paar Gefühle von Kjell. Die Persönlichkeit, die ich damals kennengelernt habe und die Persönlichkeit, die er heute ist, lassen mein Herz irgendwie immernoch hochschlagen. Aber er hat sein Leben und ich meins. Wie immer. Wie bei Knuddels. Oder LOVOO. Oder überall. Aber eins habe ich schon seit Ewigkeiten gesagt: Wenn er mich fragen würde, ob ich einen Kaffee trinken gehen möchte, würde ich mit "Ja" antworten. Gibt er mir den Kaffee aus, würde ich ihn heiraten. Warum? Keine Ahnung. Hallo?! Hier textet ne Bi-Homo-Transe, also jetzt hier keine großen Hoffnungen oder Wünsche erheben.

Kerle und deren Hormonspiegel
Anders als alle musste ich die letzten vier oder fünf Jahre keinen Sportunterricht mitmachen. Eine Klinik in Schleswig hat festgestellt, dass meine Lunge nicht so funktioniert, wie Sie eigentlich soll. War natürlich super, dass ich damals schon geraucht habe - aber egal. Auf jedenfall durfte ich keinen Sport machen, war aber versicherungstechnisch an das Gelände der Schule gebunden und durfte es nicht verlassen. Binnen der ersten Jahre musste ich die Sportzeit also in der Sporthalle verbringen und dementsprechend auch in der Umkleide. Ach, was für eine witzige Zeit. Übrigens darf ich darüber ein wenig komödiantisch schreiben, denn sowohl damals als auch heute waren wir alle gleichaltrig. Naja: Als feststand, dass ich eben ein wenig "anders" bin, als Andere, standen die Kerle natürlich auf allen Tischen. Es wurde kaschiert und versteckt. Und dennoch habe ich alles gesehen. Und wer hätte es gedacht? Mit diesen Penisversteckenden, jungen Männern kann man zwei bis drei Jahre später tatsächlich sogar reden! Wooooooooooow, ich weiß, ist jetzt echt krass für dich, aber #truestorybro. #Sorrynotsorry.
Die Zeit war auf jedenfall witzig, zumindest für mich. Denn 1. konnte ich alles sehen, 2. hatte ich Immunschutz von Freunden, Lehrern und Schulbehörden und 3. stellt sich nur wenige Jahre später heraus, dass diese versteckenden Menschen einen eigentlich doch mögen. Wer gerade in einer jungen Schulklasse ist und versehentlich oder beabsichtigt geoutet: Es wird besser!

Das letzte Jahr
Nun kommen wir zum letzten Jahr an der Schule. Eine Zeit, die ich liebe und auch immer lieben werde. Ich erinnere mich an jeden einzelnen Tag, als wäre es gestern gewesen. Und ganz besonders an "Anni" und den ersten Schultag. Im Sommer habe ich etwa 10 bis 15 weitere Kilos abgenommen, nachdem ich zuvor schon extrem und radikal abgespeckt habe. Eine der ersten, die mich sahen, war Anni. Eigentlich eine Liga, die man in Amerika vielleicht als "Cheerleader" bezeichnen würde. Sie war nach meinen Freunden die erste die mit mir sprach. Und WAS Sie mir gesagt hat, hat mich umgehauen und ab diesem Zeitpunkt konnte NICHTS mehr schief gehen: "Nico, du bist so ein wunderschönes Mädchen und meine Güte hast Du schöne Zähne". Dabei hat Sie mich so extrem freundlich und toll angelächelt, dass für mich alles Böse weg war. Ab dem ersten Tag im letzten Jahr ging alles nach oben. Kerle, die mich zuvor gehasst haben, sprachen mit mir. Kerle aus höheren Klassen fragen mich heutzutage nach Sex und konnten schon im letzten Jahr ... ein bisschen besser mit mir um... Es gab neue Freundschaften, neue *hust* "Bekanntschaften", die besten Noten der Klasse und alles in Allem eine fantastische Zeit.

Warum dann tränen?
Zum Teil sind es Tränen der Freude wegen der wunderschönen Zeit in den letzten Quartalen der Schulzeit. Traurig finde ich jedoch, dass man heutzutage überhaupt nicht miteinander spricht, obwohl man ganze neun Jahre seines Lebens miteinander verbracht hat. Nur im betrunkenen Zustand in der Rendsburger Ortsdisco ist es möglich, total betrunken ein paar Worte zu finden. Aber an der Kasse, beim spazieren, beim shoppen o.Ä. erlebe ich es so selten, dass mich Leute grüßen oder zum Teil ignorieren. Und dann noch genau von den Menschen, die mich tatsächlich fast von Anfang an gemocht haben und mit denen ich auch nach der Schule sehr viel Zeit verbracht habe. Was bringen mir die 8.000 Nachrichten von Ejderskole'rn und A.P.'ern, wenn diese nur Stuss und Sex beinhalten? Nichts. Aber im "Real Life" ist sowohl von der Männer- als auch von der Frauen-Seite nicht mehr viel zu hören.

Naja.
Wir sind am Ende. Irgendwie habe ich keine Worte mehr und der letzte Abschnitt wurde nicht so, wie ich es vorm Spiegel noch einmal gespeichert habe, indem ich es 8.000x wiederholt habe. Egal. Irgendjemand wird den Post schon lesen und vielleicht gibt's sogar 'ne freundliche Nachricht von jemanden.

Tschö und Nacht

 Eure Nicky. xoxo

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