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Bibis Beauty Palace Die Aussenseite

Aus der Sicht einer kleinen YouTuberin: Kommerz auf YouTube

03:20Nicky Kerosene


Aus der Sicht einer kleinen YouTuberin

Heute: Kommerz auf YouTube

1. Einleitung
In letzter Zeit habe ich mir, insbesondere durch die "Berichterstattungen" vieler Medien, ein wenig Gedanken um mich, meine Zuschauer und meinen Kanal gemacht. Zwar bin ich kein LeFloid, der schlappe Eins komma schieß mich Tod millionen Abonnenten hat, sondern eben eine kleine YouTuberin, mit Transsexualitätshintergrund und rund 160+ Abonnenten. Ohne ein "K" dahinter. Während ich die letzten Tage über hin und her überlegt habe, ist mir vieles und wirklich vieles an anderen YouTubern oder eher Cross-Promo-Maschinen aufgefallen, dass ich niemals tun würde und werde - alleine aus moralischen Gründen.

Mit meinen jungen 20 Jahren bin ich vielleicht nicht die weiseste Person auf diesem Planeten, dennoch habe ich ein großes Verantwortungsgefühl darum, was ich auf YouTube stelle und/oder bewerbe, auch wenn mein Großteil aller Videos nur aus Sex bestehen.

Mit YouTube habe ich im Oktober 2013 angefangen, weil mir ehrlich gesagt stinklangweilig war und ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte. Mittlerweile ist YouTube für mich das wichtigste Projekt, zusammen mit meinem Blog GooLoo.de und NickyKerosene.de und nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Ich plane meine Videos, bereite alles vor, setze mich an den Computer und bearbeite das Video so, wie ich es als unabhängige Zuschauerin auch gerne sehen würde.

Seit Oktober 2014 bin ich Mediakraft Talent und bin über diese Entscheidung ziemlich froh. Denn anders als die "großen Hasen" bekommen wir vom Netzwerk tatsächlich noch allerhand Betreuung, da Sie sich anders als bei den großen noch kümmern. Das hat den Grund, dass Sie später genauso gut Geld mit uns verdienen möchten, wie bei den Großen. Da wir das große Geld aber noch nicht in die Kasse spülen, nimmt sich hier noch jemand die Zeit und kümmert sich persönlich um unsere Anliegen.

Versteht mich bitte nicht falsch. Das Mediakraft wie auch alle anderen Betreuer und Netzwerke Geld verdienen möchte, war mir bewusst. Jedoch habe ich vor Vertragsschluss alles aufgehoben, was im Gespräch war und weiß genau, was ich machen darf und was nicht. Und Mediakraft ebenso. Und an diese Restriktionen halten sich beide Parteien sehr genau.

2. Der Kommerz anderer YouTuber
Ich möchte zwei konkrete Beispiele nennen, die mich wirklich, wirklich wütend machen.

2.1 Bibi's Beauty Palace
"Bibi" ist deutschlands meistabonnierte YouTuberin und darf sich, soweit ich mich erinnern kann, über 1,6 Mio. Abos erfreuen. Man gut, dass ich Sie schon gehasst habe, bevor Sie groß wurde. Aber das ganze hat jetzt nichts mit dem weiteren zu tun, denn hier geht es um eine Abzocke, die ich aus moralischen Gründen nicht verstehen kann.

Bibi setzt gezielt Werbung ein, was jeder YouTuber - inklusive mir - macht. Dafür ist eben das YouTube Partnerprogramm, als auch das Netzwerk. Aber hier hört es nicht auf. Mit den Sponsorings geht es weiter. Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts gegen Sponsorings, soweit Sie klar und deutlich an mehreren Stellen gekennzeichnet sind. Hier liebe ich das Beispiel USA oder UK. Die Videos werden nicht nur im Titel mit "Ad" gekennzeichet, sondern enthalten zudem in der Regel auch ein großes Intro, indem die Marke und das Logo bekannt gegen werden. In Deutschland reicht es aus, drei Sekunden lang ein "P" mit der Kennzeichnung "unterstützt durch Produktplatzierungen" einzublenden, was ich prinzipiell niemals tun werde. Denn wenn schon Geld in meine Videos fließt, soll es auch jedem bekannt sein und man soll sich entscheiden können, ob man sich jetzt tatsächlich ein fünf Minuten Video mit reiner Werbung ansehen möchte, oder nicht.

Bei diesen minimalistischen Kennzeichnungen ist dies nicht der Fall und man wird dazu verleitet, sich gerade ein Video anzusehen, dass auch den anderen Videos gleicht gestellt ist, was nunmal einfach nicht stimmt. Aber auch das regt mich nicht sonderlich auf, denn aktuell ist es einfach nur gefordert, diese Einblendung zu machen.

Was mich richtig aufregt und für mich absolut unverständlich ist, ist die gezielte Platzierung von Marketinglinks. Auch hier hätte ich keine Probleme damit, wenn sich Ihr persönlicher Content nicht an Personen beziehen möchte, die wenn überhaupt, die einzige Einnahmequelle aus dem Taschengeld ihrer Eltern haben. Wenn ich mit einem erwachsenden Publikum zu tun habe, wäre es für mich persönlich auch gar kein Problem, Produkte zu bewerben und zu verlinken, die einen höheren Preis haben. Aber einem durschnittlich 14-17jährigen Publikum eine Michael Kors Uhr anzuwerben, die 250 € kostet, von denen ich widerrum 25 € pro Verkauf verdiene, ist eine absolut unverständliche Werbemaßnahme, die ich nicht verstehen kann.

In meinen Videos stelle ich auch gerne Produkte vor. Aber: Ich verwende keine Partnerlinks oder Marketingstrategien. Und sollte ich welche anwenden, was ich irgendwann natürlich auch einmal vor habe, zeige ich meinem Publikum gefälligst nur die Produkte, die auch in meinem persönlichen Rahmen liegen. Würde Bibi Produkte von L'Oréal und Co. anwerben, weil sich ihr Kanal nunmal - angeblich - um Beauty dreht, könnte ich es 1. hinnehmen und 2. verstehen. Aber eine Michael Kors Uhr anzupreisen - einem 14-17jährigen Mädchen - mit einem Preis von 250 € und einer Umsatzbeteiligung von 10 % ist für mich eine absolute Schande. Das kann ich persönlich einfach nicht hinnehmen.

Da muss sich Dumm-Blondi, entschuldigung, Bibi's Beauty Palace, auch nicht wundern, dass Dönermann ihr auf einmal auf die Wichsgriffel, entschuldigung, Hände, guckt:



2.2 "MüZe"
Die "MüZe", ein billig produziertes Accessoire, auch "Cap" genannt, ist die beschissenste Merchandise-Aktion, die mir in meinem Leben unter gekommen ist und hier ist für mich tatsächlich und in jedem Falle eine klare Grenze überschritten wurde.

Für die ach so tolle, billig produzierte Cap "MüZe" dürfen Kinder und Jugendliche gerne einmal jeden Betrag ab 19 € plus Versand über die Ladentheke reichen. Und hier hört der Spaß auf. Es ist eine verschissene Cap bzw. eine beschissene Wollmütze aus genau dem Material und warscheinlich auch noch aus der selben Fabrik wie die von H&M, die im Vergleich in der Regel nicht mehr als 10 € kosten, was für mich noch einigermaßen erträglich ist, die aber widerrum in der Regel sogar noch günstiger sind. Kinderarbeit eben. Günstiger Einkauf + Provision = H&M Preis, aber immerhin erschwinglich.

Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie man für den Aufdruck "MüZe" eine so hohe Provision verlangen kann. Dass das Business mit Merchandise boomt ist mir völlig klar. Und ich als leidenschaftliche Photoshop-Pussy werde auch irgendwann Merchandise herausbringen. Aber dadurch, dass ich damals einen kleinen Sprd.net-Shop besaß, weiß ich ganz genau, dass bei jedem Logo und jedem Produkt selbst festgelegt werden kann, wieviel ich für den Verkauf erhalte. Und dann einen so hohen Aufpreis zu nehmen und ein Schrottprodukt für 19+ € an den Mann zu bringen, insbesondere aber den Zuschauern, die in der Regel auch noch zum Teil weit unter 18 sind, kann ich absolut nicht nachvollziehen und keinesfalls verstehen.

3. Abschließend
Ich bin eine YouTuberin. Und ich tue auf dumm, weil es sich verkauft. Aber ich habe ein Gehirn und weiß es auch einzusetzen. Und natürlich möchte ich irgendwann in den kommenden 50 Jahren von meinem YouTube-Kanal leben können. Aber fair - und vorallem überdacht.

Wenn ich Merchandise anbieten möchte, werde ich mir einen Partner auswählen, der von Anfang an günstig produziert und verkauft. Und ich werde Kampagnen wählen, da diese noch einmal günstiger sind, als der Betrieb eines eigenen Merchandise-Shops. So erhalten alle meine Zuschauer, die Merchandise wollen, unabhängig ob jung oder alt, meinen Scheiß zu einem extrem günstigen Preis, der vorzugsweise mit H&M mithalten kann.

Wenn ich einen Sponsor erhalte, werde ich diesen nach dem US-Vorbild klar und deutlich anpreisen. Zum Anfang des Videos, mittels einer dauerhaften Einblendung und selbstverständlich zum Ende des Videos mit einem Dankeschön an den Partner, weil es für mich einfach der "gute Ton" ist.

Wenn ich Partnerlinks setze, werde ich Produkte auswählen, die sich meine Zielgruppe auch locker mit Ihrem Taschengeld oder ihrem Einkommen leisten können. Und vorallem dem nur Produkte, die ich auch selber beziehen würde. Wenn es überhaupt zu solch einer Linksetzung kommt. Denn mal ehrlich: Werbung, Sponsoring UND Partnerlinks ist für mich einfach zu viel.

Zurzeit bin ich tatsächlich froh, dass ich nur solch kleine Zahlen auf meinem Kanal an den Tag bringe. Denn um solche Sachen muss ich mir bislang keine Sorgen machen. Und sollte ich abheben, ist dieser Blogbeitrag genau das Druckmittel, um mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu bringen. Was nicht passieren wird, denn diese Meinung, die ich in den letzten ca. 8.000 Worten verfasst habe, sich auch in Zukunft nicht ändern wird.

4. Ende
Ich verstehe, dass man mit YouTube seinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Ich möchte auch gerne als Werbefigur für Marken dienen, dich mich "nice" finden und die ich "nice" finde. Und natürlich möchte ich auch von Marken und Unternehmen entdeckt werden, mit denen ich gerne zusammen arbeiten würde und die mit mir zusammen arbeiten wollen. Und den Einsatz der Werbung verstehe ich. Aber muss es tatsächlich sein, dass ich sowohl Werbung, Partnerlinks, Sponsoring und Werbefigur gleichzeitig betreibe? Nein. Definitiv nicht. Mal abgesehen davon, dass ich daran gewöhnt bin, von sehr wenig Geld monatlich zu leben und trotzdem meine Rechnungen bezahlen zu können.

Und Böhmermann, was sagen Sie dazu?


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