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Doku Netflix

Winter on Fire: Ukraine's Fight for Freedom | Ein Netflix-Original Dokumentarfilm

04:30Nicky Kerosene


Dies ist kein Politblog. Ich sitze hier mit meinem Chai Latte und versuche, Worte für das zu finden, dass von 93 Tagen in 90 Minuten geschnitten wurde. Ich bin nicht politisch engagiert. Ich versuche Worte für etwas zu finden, für das ich bis vor 100 Minuten nicht einmal genau wusste, worum es geht. In der Realisierung, dass ich gerade kein Kunstblut gesehen habe. Das es keine CGI-Animationen waren. Das es um echte Menschen geht, die 93 Tage lang für das eingestanden sind, an was Sie glauben. Ich soll in meinem üblichen Humor sagen, wie hübsch doch der eine in der linken Ecke einer Szene aussieht, aber das kann ich nicht. In einigen Momenten findet man einfach keinen Humor, für das, was man gesehen hat. Gleichzeitig versuche ich nicht zu klingen, um es Menschen weltweit gerecht zu machen. Ich versuche ganz einfach, Worte zu finden. Für Alles.

Was ich gerade gesehen habe, spielte sich in den Jahren 2013 und 2014 ab. Von November bis Februar. An meinem Geburtstag im Jahre 2014 griffen das Erste Mal Pseudo-Rechtsorgane Menschen an, schlugen Sie, töteten Sie. Und ich saß hier, warscheinlich in gemütlicher Runde mit Freunden, trank Kaffee und aß ein Stück Kuchen. Nicht in dem Bewusstsein, dass nur ein paar hundert Kilometer weiter, Menschen starben für eine Sache, die doch so simpel und einfach klingt: Menschlichkeit.

Beim ansehen des Trailers hatte ich ein wenig Gänsehaut. Eine Szene, die gar nicht so schlimm klang, wie es am Ende in der Doku zu sehen war. Weniger als 15 Minuten vergehen und ich sehe eine Doku auf Netflix, die brav in meiner 7,99€ Mitgliedschaft enthalten ist und beginne zu weinen. Ohne Grund. Ich bin kein Mensch, der da ist, ich bin kein Mensch, der gerade erschlagen wurde und ich bin kein Mensch, der sich jemals wirklich vorstellen kann, was passiert ist. Und dennoch bin ich so gerührt, dass ich weinen muss, über Menschen und Dinge, die ich nicht kenne, nicht verstehe.

Ich versuche mir klar zu werden, warum ich von alledem nicht viel wusste, nur Bruchstücke gesehen habe. Versuche an 2013 und 2014 zurück zu denken. Doch ich war nie ein Mensch, der Nachrichten sah. Zu fürchterlich, was auf der Welt passiert. Das Menschen in Jahrtausenden noch nicht verstanden haben, was Menschlichkeit überhaupt bedeutet. Also sehe ich die Dokumentation bis zum Ende, verfasse diesen Beitrag, bin beim vierten Absatz und habe immernoch keine Worte für das, was ich sagen möchte.

Ich bin nicht hier, um ein Review zu verfassen. Denn passende Worte finde ich für diese Dokumentation nicht. Sieh Sie dir an, mir egal ob bei Netflix oder einem anderen, mehr oder weniger legalen Stream. Ich bin von niemanden beauftragt worden, geschweige denn hat Netflix dafür bezahlt, von einer irrelevanten Person zu hören. Ich bin in der eigenen Entscheidung gewesen, diesen Beitrag zu beginnen, kenne jedoch weder Anfang, Mitte, noch das Ende. Ich verstehe vieles nicht. Weiß nicht, was ich schreiben soll, worüber ich schreiben soll. So viele Gedanken für etwas, dass beinahe schon wieder vergessen ist. Es ist nicht mehr Medientauglich, nicht mehr "da". Es war ein Mal vor nicht allzu langer langer Zeit. Und nun ist es dahin.

Es gibt nur wenig persönliches von mir zu erzählen. Russland war immer ein Arschloch und wird es bleiben. Es ist ein Land, dass ich niemals im Leben besuchen werde. Das schwor ich mir persönlich schon vor Jahren. Und das Russland Pro-Russische Aktionen in der Ukraine unterstützt / unterstützt hat, ist für mich Grund genug, auch die Ukraine nicht zu besuchen. Nicht, weil Sie nichts bieten würde, sondern weil ich zu viel Angst davor habe, den russischen Noch-Einfluss in der Ukraine zu spüren, auch wenn nach 93 Tagen voller Krieg das Ziel, die Freiheit, erreicht wurde.

Für mich gehören viele Menschen, nach vielen in Russland, auf die Todesliste. Es würde niemanden stören, es würde gefeiert werden. Neben Putin sind das viele der Menschen, die friedliche Personen in der Ukraine getötet haben. Wer jemanden tötet, obwohl er eine Wahl und das Bewusstsein hat, es nicht zu tun, gehört für mich ebenfalls Tod. Putin; der geflohene Ex-Präsident der Ukraine; die Schlag- und Todesgruppe der Ukrainischen Auftraggeber, was widerrum erneut der Ex-Präsident wäre, all das sind Menschen, die Ihr Leben nicht verdienen und niemals verdient haben. Es steht ihnen meiner Meinung nicht frei, auch nur eine Entscheidung zu treffen. Und dennoch werden Sie ihr Leben behalten, bis Sie eines friedvollen Todes sterben. Eine Ungerechtigkeit, auf die ich aber keinen Einfluss nehme, noch diesen beauftrage.

Ich kann diesen Beitrag nicht vollständig abschließen. Für mich ist dieser Absatz der letzte, den ich zu dieser Dokumentation schreiben werde. Ich bin nicht zufrieden, befürchte, dass ich einiges zu Persönlich genommen habe, anderes widerrum nicht persönlich genug genommen habe. Aber es gibt nicht viel zu sagen, außer, dass man sich diese Dokumentation selber ansehen sollte. Mein tiefstes Beileid allen Verbliebenen, die ihre Söhne, Töchter, Enkel, Ehemänner, Ehefrauen, Freunde und Kollegen verloren haben. Es ist ungerecht. Nicht fair, nicht gerechtfertigt. Und dennoch sind jedem die Hände gebunden, denn einen Verstorbenen kann man nicht á la Supernatural zurück holen. Ich habe mit dieser Angelegenheit nichts zu tun, ich konnte nicht helfen, war nicht involviert. Und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem ich das gestreamt gesehene vergessen werde. Und dennoch tut es mir leid. Alles.

- NickyKerosene.

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