Ja, ich bin Sexarbeiterin und stolz darauf

Vergiss nicht mir zu folgen:     

Für mich war Sexarbeit nie etwas, dass ein Tabu trägt oder unter den Teppich gekehrt werden sollte. Im Gegenteil: Sexarbeit wurde mir schon früh offen beigebracht. Mir wurde beigebracht, was Sexarbeit ist, was es bedeutet, auch für die Gesellschaft, und warum Sexarbeit ein wichtiger Teil der Menschheit ist. Das Sexarbeiter/innen nicht geächtet oder ausgegrenzt gehörten, sondern dass man ihnen Respekt schenken sollte. Zeigen, dass man ihren Beruf respektiert und offen mit dem Thema umgeht.

Man sagt immer, dass man in die Sexarbeit getrieben wird. Aber wie ist es mit denen, die Sexarbeit gerne ausleben, ihren Beruf lieben und Spaß daran haben, Sex und ihre Sexualität auszuleben? So ist es bei mir. Zwar war mein Start in der Sexindustrie holprig und deutlich zu früh, aber er war keinesfalls erzwungen oder gar schädlich. Nein, ich habe meine Sexualität sehr geliebt und liebte es zudem, sie mit anderen zu teilen. Für die einen ohne Geld, für die anderen mit.

Das erste Mal, dass ich meinen Körper für etwas eingesetzt habe, war mit 15. Ich war schon sehr sexuell aktiv zu dieser Zeit, habe mein erstes “richtiges” Mal jedoch erst im gleichen Alter erlebt. Zuvor erhielt ich für Blowjobs oder Handjobs (für die Intellektuellen unter euch: Oralverkehr und Befriedigung per Hand) Gegenleistungen, die mir über den Abend hielfen. Das waren entweder Alkohol, Zigaretten oder aber auch der ein oder andere Joint.

Ein Jahr später, mit 16, hatte ich mein erstes, bezahltes Treffen und hörte danach einfach nicht mehr auf. Als junge, gutaussehende Transsexuelle mit einer dezenten Figur fiel es mir niemals schwer, Kundschaft zu finden. Ich tastete mich an jeden Kunden neu heran und erhielt zwischen 100 und 300 Euro pro Treffen. Selbst für Oralverkehr konnte ich als junge Sexarbeiterin viel Geld von meinen Freiern verlangen. Sie zahlten letztendlich wohl auch dafür, dass ich sie nicht bei der Polizei melden würde.

Meine Freier waren allesamt deutlich älter als ich, aber auch ich hatte meine Grenzen. Älter als Ende 30 ging für mich überhaupt nicht klar. Ich musste zumindest einen Anstand an Jugendlichkeit erkennen können, was sich jetzt bestimmt total sinnlos anhört, aber für eine 16-Jährige durchaus Sinn macht.

Ich traf mich regelmäßig nur wenige Meter von meiner Wohnung entfernt, bzw. die meiner Mutter damals, mit meinen Freiern. Die meisten Arbeiten hatte ich in einem Auto. Das Ganze war zwar ziemlich gefühlslos, aber es war genau das, was mir so gefiel. Ich liebte es, ausgefüllt zu werden und mich begehrt zu fühlen. Diese Abenteuer machten mir – bzw. machen mir – mächtig viel Spaß und sie sind jedes Mal etwas Aufregendes, etwas Neues. Das ich dadurch nicht die große Liebe finden würde, war mir durchaus bewusst und sogar sehr lieb.

Ich war früh “süchtig” nach Sex. Direkt nach meinem ersten Mal konnte ich nicht genug davon kriegen und habe in den Sommerferien gerne auch mal ein paar Dutzend Männer befriedigt. Auch hier die einen ohne Gegenleistung, die anderen dafür für eine umso höhere Summe. Als Minderjährige war ich natürlich sehr gefragt, was mir gefiel. Denn ich konnte mit wenigen Treffen viel Geld verdienen, das ich dann natürlich wieder in mein Partyleben investierte.

Mit etwa 20 Jahren habe ich mit der Prostituion vorerst aufgehört. Treffen bin ich zwar weiterhin nicht abgeneigt, aber für mich gab es einen Umstoß, in dem ich mich nicht mehr so sehr öffnen könnte. Meine Sexualität wollte ich aber natürlich nicht aufgeben. Ich entschied mich weniger dafür, mit Freiern zu schlafen, als meine persönliche Erotik online darzustellen.

Durch meine YouTube-Videos, in denen ich über meine Erlebnisse mit Männern und auch Freiern erzähle, verschafften mir eine erste Aufregung. 2018 fing ich dann an, aktiv selbstgedrehte Amateur-Videos auf PornHub zu veröffentlichen.

NickyKerosene auf PornHub

PornHub kam mir sehr gelegen, denn ich wollte etwas Abstand davon nehmen, alle Wochenenden einen neuen Kerl zu begrüßen, der mich für eine Nacht oder weniger nutzt, gleichzeitig verschaffte es mir aber die Möglichkeit, mein Sexualleben und meine Fantasien und persönliche Erotik weiter auszuleben, ohne direkt Sex haben zu müssen. Oder zu wollen natürlich.

In unregelmäßigen Abständen lade ich Videos von mir hoch. Meine Freunde wissen es, meine Familie weiß es und ja, auch meine Mutter. Und niemand hat mich deshalb konfrontiert. Gut so, denn verstehen würde ich es nicht, wenn sich jemand für etwas schämt, dass er selbst nicht tut. Rund 1.800 Menschen folgen mir auf PornHub. Ich war in den Top 500, den Top 250 und den Top 200 der Creator und verschaffte mir relativ schnell ein gut wachsendes Publikum.

Es zahlt zwar definitiv keine Miete, denn Videos werden nur extrem geringfügig bezahlt und das natürlich auch nur, wenn jemand ein werbefähiges Gerät verwendet, aber ein paar Cents bringt’s dann doch. Tatsächlich mache ich es bei PornHub aber nicht (mehr) für das Geld, sondern weil ich mich hier frei ausleben kann, ohne Rücksicht auf jemand anderes nehmen zu müssen. Es macht mir Spaß mich zu zeigen, zu zeigen, wie viel Spaß ich habe, neue Toys auszuprobieren und andere daran teilhaben zu lassen.

Ins Detail

Ich würde gerne weiter ins Detail gehen, aber das ist dann doch meinem Buch vorbehalten, dass ab Sommer 2020 auf Amazon erhältlich ist. Was ich mit dem Beitrag zeigen möchte ist folgendes:

  1. Egal, wie du von mir denkst,
  2. Egal, was du von Sexarbeit hälst,
  3. Egal, welche Meinung du dir bildest,
  4. Egal, was du mir schreibst,
  5. Egal, was du von mir persönlich hälst:

Mein Sexleben ist meins. Es ist nicht deins. Und dieser Beitrag dient ein für alle Mal der Frage, die ich immer hinter meinem Rücken höre: Ja, ich bin eine Sexarbeiterin. Ja, ich werde es bleiben. Ja, es erfüllt mich. Ja, es macht mir Spaß. Nein, ich wurde nicht dazu gezwungen. Und nein, der Staat hilft nicht; er diskrimiert. Aber dazu später einmal mehr.

Danke für deinen Besuch.

Danke, dass du dich über Sexarbeit informierst.

Danke, dass du bis hierher gekommen bist, ohne mich zu hassen, weil ich und viele andere Menschen etwas tun, dass nicht der Norm entspricht.

Und wenn es nicht deiner Norm entspricht: keine Sorge. Ich versuche nicht, dich zu ändern.

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